Widerstände bei den Neunforner Untertanen gegen die IX regierenden Orte



„Am 25. Juni 1528 schlossen Zürich und Bern eine „Christliche Verwandtschaft“. Diese hatte den hauptsächlichen Zweck, auf dem Gebiet der gemeinen Herrschaften die rechtmässig berufenen Prediger vor der Verfolgung zu schützen, „sofern ihre Lehre und Predigt, ihr Leben und Wandel mit göttlicher und biblischer Schrift evangelischen Alten und Neuen Testaments verantwortet werden mag.“ Eine Bestrafung der Untertanen um des Glaubens willen soll nicht geduldet werden. Mönche und Nonnen sollen zum Austritt aus dem Kloster berechtigt sein, sofern sie ihr Gewissen dazu treibt. Die Kirchgemeinden sollen das Recht haben, sich für den neuen Glauben auszusprechen, dem sie anhangen wollen.

Durch diese Abmachung bestärkt, tut sich Zürich keinen Zwang mehr an beim selbständigen Vorgehen in der gemeinen Herrschaft.

In Neunforn war im Frühling 1527 der dortige Pfarrer Niklaus Steinbock durch den Landvogt vertrieben worden, da er mit seiner evangelischen Predigt dem „Mandat gegen die Glaubenserneuerung“ zuwiderlebte. Das Kloster Töss, als Lehensherr der Pfarrei, war darauf veranlasst worden, einen „Priester nach altem Brauch“ abzuordnen. Der neue Seelsorger Heinrich Wirth musste aber schon im nächsten Jahr im Amt sistiert werden, da er in der Gemeinde einen Totschlag begangen hatte.

Für Zürich war dies die Gelegenheit, wieder mit dem alten Pfarrer Steinbock in den Vordergrund zu treten. Der Landvogt verweigerte jedoch seine Zustimmung zur Wiederbesetzung der Pfründe mit dem früheren Prädikanten und wies die Zürcher Obrigkeit an die IX Orte. Zürich kümmerte sich aber nicht darum, sondern setzte Pfarrer Steinbock nach Neunforn. Unter dem Schutze Zürichs predigte er evangelisch und weigerte sich, die Messe zu lesen. Der Landvogt liess ihn überwachen und drohte, ihn henken zu lassen, auch suchte er die Gemeinde gegen den Pfarrer aufzustiften. Dagegen verwahrte sich Zürich, indem es erklärte, „man habe dem Pfarrer befohlen, das heilige Evangelium und das Gotteswort den Kirchgenossen nach dem wahren und lauteren Verstand zu predigen“.


Ratsherr Hans Escher soll dies dem Landvogt klar machen und darauf dringen, dass dem Pfarrer kein Leid geschieht; „beharre der Landvogt auf aller Strenge, so soll der Gesandte erklären, der Prediger tue nur, was Zürich ihn heisse; darum gebühre sich nicht, dass man ihn vergewaltigen lasse. Im andern Fall würde man sich zum Handeln veranlasst sehen, was man lieber vermeiden möchte!“ Trotz des Einspruchs der Tagsatzung wagte Landvogt Wirz nicht mehr, sich an Pfarrer Steinbock zu vergreifen.“


Die Reformation im Thurgau, Alfred Knittel, Frauenfeld 1929, Seite 156/157











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